Essay: Glücksmomente

Essay: Glücksmomente

Eine meiner Leserinnen hat mich darauf aufmerksam gemacht; es gab schon länger keinen Essay für euch! Das muss natürlich schleunigst geändert werden. Daher möchte ich heute ein Thema anschneiden, welches mich schon länger beschäftigt:

Wir haben verlernt das Leben zu genießen!

Vor einiger Zeit bin ich in einer Tageszeitung über einen äußerst interessanten Artikel gestolpert und habe darüber lange Zeit nachgedacht. In der heutigen Zeit haben wir durch Smartphones, Tablets, Flug- und Zugverbindungen, Apple-Uhren, Social Media Channels, Musikanlagen, die den Lieblingssong spielen wenn man das Haus betritt, Rasenmäher, die man programmieren kann und wie kleine Menschen aussehen  – um nur mal ein paar zu nennen – eine unheimlich große Hilfestellung in unserem Leben! Im Prinzip wurden all diese Dinge konzipiert, um uns das Leben bzw. den Alltag zu erleichtern und ‚bequemer‘ zu machen.

Jedoch wird es gerade für die jüngere Generation (zu  der ich mich auch noch zähle 😉 ) zunehmend schwieriger, echte Glücksmomente zu erleben, im Hier und Jetzt zu sein und sich ganz fallen zu lassen – sich einer Sache, einem Erlebnis, oder einem Genuss völlig hinzugeben.

In erster Linie besteht unser Dasein – salopp formuliert – im Leben (und ich meine hier das Verb!). Ausgerechnet in unserer Wohlstandsgesellschaft fällt es uns zunehmend schwerer, richtig zu leben! Wir haben alle Möglichkeiten, uns steht jede Tür offen – aber nutzen wir es auch? Genießen wir die Freiheit, die wir haben? Meiner Meinung nach nicht. Ich beobachte es an mir – mein Smartphone liegt nie lange alleine, und selbst wenn ich definitiv keine Zeit habe und mich 100 %ig auf eine andere Sachen konzentrieren muss oder will, erwische ich mich, wie ich z.B. bei einem Restaurantbesuch wieder das perfekte Bild zu knipsen versuche, anstatt das Kunstwerk langsam und bewusst zu essen. (meistens ist es schon kalt, bis das Foto im Kasten ist) Aber auch hier versuche ich mich natürlich zu bessern und Stück für Stück gelingt es mir! (daher auch meine Antwort auf eine Frage einer Leserin, warum ich nicht mehr jeden Tag – sondern nur noch jeden zweiten – mein Frühstück präsentiere)

Wir müssen das Leben leben, bewusst – es genießen mit all seinen Glücksmomenten!

Leider kommt hier noch die Mäßigung hinzu: Hauptsächlich wir Deutschen, mäßigen uns maßlos! Statt uns zu hinterfragen, wofür wir leben, fragen wir uns nur noch, wie wir möglichst lange leben, den Alterungsprozess aufhalten oder den neusten Porsche fahren. Es gibt keinen Rausch mehr, kein „über die Stränge schlagen“, kein Exzess mehr – uns fehlt der Sinn für die kleinen Freuden! Statt einer Kugel Eis mal fünf zu essen, statt wochentags um 22 Uhr das Licht auszuknipsen auf ein Openair Konzert gehen oder sich in einer Kneipe mit Freunden treffen und um Mitternacht noch eine Portion Pommes bestellen, in einer lauen Sommernacht bei Dunkelheit noch schwimmen zu gehen, wenn einem danach ist, eine teure Tasche kaufen, auch wenn man das Geld in die Renovierung oder neue Möbel stecken müsste … es gibt unendlich viele Möglichkeiten, die sich alle spontan ergeben – man muss sie nur nutzen!

Das gleiche Problem haben wir mit dem Genießen. Wir haben verlernt, uns für etwas 100%ig hinzugeben – gerade bei uns in Deutschland wird das Angebot an Genussmöglichkeiten von Tag zu Tag größer, jedoch hat man aber das Gefühl, aufgrund der Vielfalt immer weniger genießen zu können. Klar hat jeder von uns einen stessigen (Berufs-)Alltag, gesundheitliche Probleme, etc., aber man muss lernen, sich Auszeiten zu gönnen, bei denen man dann aber voll und ganz bei der Sache ist und sich nicht, bspw. durch Smartphones, Emails, etc. ablenken lässt. Genuss muss auch keinesfalls nach einer zuvor erbrachten Leistung erfolgen. Man kann sich natürlich belohnen, wenn man selbst stolz auf sich ist oder eine besonders gutes Ergebnis (ob im Job, privat, oder im Spanisch Kurs) erbracht hat, aber man muss Genuss nicht „verdienen“.

Man muss loslassen können, erst dann erreicht man „die perfekte Welle“ und kann Glücksmomente erleben! Allerdings kann man ein solches Erlebnis nicht planen; es passiert einfach, wenn man dafür bereit ist – es muss dann aber voll und ganz genossen werden! Schlagt einfach ab und an beherzt aus der Stränge, überschreitet das Maß, schwimmt gegen den Strom und verliert euch im Augenblick! Seid einfach mal unvernünftig!

Man hat nur ein Leben, daher sollte man im Hier und Jetzt leben!

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  1. Julia Kulla • 8. August 2015

    Sehr toll geschrieben. Besonders das mit der unvernünftig sein kann schwer sein. Wenn du immer anständig und verantwortungsbewusst sein solltest. 😉

  2. Daniela Huber • 10. August 2015

    Ein sehr toller Beitrag von dir. Genau so wie du bin auch ich vor kurzem auf einen Artikel gestoßen und habe mir danach auch Gedanken gemacht. Und es ist einfach so wie du sagst, wir haben verlernt das Leben in vollen Zügen zu genießen und die Kleinigkeiten wahr zu nehmen.
    Leider macht es uns die Gesellschaft nicht immer einfach und wir werden oft vor Herausforderungen gestellt.
    Ich versuche seit mehreren Jahren nun, mein Leben mehr zu genießen und nicht immer an später usw zu denken. Es Hilft wirklich sich damit auseinander zu setzen und ich kann es nur jedem empfehlen.

    Liebe Grüße,
    Daniela von http://vienista.blogspot.com/

  3. Ines G. • 10. August 2015

    Oh mein Gott, das Eis sieht so gut aus!

    http://soglitteryandgolden.blogspot.de

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